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Der Semperhof, auch Quandtsches Gut genannt, ist eine Rittergutsanlage aus der Zeit vor der Reformation. Es stellt gemeinsam mit dem um 1830 nach den Plänen von Gottfried Semper errichteten Stallgebäude ein hochwertiges und kulturgeschichtlich bedeutsames Denkmal dar. Sein kulturhistorisches Ansehen verdankt es vor allem dem Wirken von Johann Gottlob von Quandt (1787 - 1859). Johann Quandt war ein Freund Goethes und Mitbegründer des Dresdner Kunstvereins. Ab 1830 erwarb Quandt das Freigut Eschdorf, welches unter seiner Regie bauliche Veränderungen erfuhr. Gleichzeitig ließ er mit dem Turmschlösschen "Belvedere" nach Plänen des Architekten Joseph Thürmer die erste und einzige Goethe-Gedenkstätte errichten, die zu Lebzeiten des Dichters geschaffen wurde. Das von Semper entworfene Stallgebäude besitzt durch seine aufwendige Gestaltung einen singulären Charakter. Einer großzügig dimensionierten, dreischiffigen und überwölbten Stallhalle, welche von Säulen getragen wird, verdankt das Gebäude sein Aussehen. Eine herausragende Leistung stellt zu dieser Zeit die Struktur des Naturstein-Sichtmauerwerkes dar. Der Westgiebel lehnt sich an das Erscheinungsbild der romanischen Pallas-Vorbilder an.

Neben dem Stallgebäude erstreckt sich die ursprüngliche Anlage als Dreiseitenhof. Das ehemalige Pächterhaus, mit dem davor stehenden Wendelstein verbindet das Herrenhaus (16. Jhd.) und die alte Brauerei. Das Herrenhaus besitzt eine Vielzahl an barocken und klassizistischen Details. Im Erdgeschoss des Pächterhauses befinden sich bedeutende Kappengewölbe und im 1. OG restaurierte Malerei des Rokoko.

Das parallel zur Dorfstraße gelegene frühere Brauereigebäude besitzt eine, sich über den gesamten Grundriss erstreckende überwölbte Kelleranlage, die vermutlich aus dem 16. Jahrhundert stammt und die über eine breite überbaute Steintreppe erschlossen wird. Im Erdgeschoss des Hauses wurde um 1900 ein Stall eingebaut, dessen gusseiserne Säulen vorhanden sind. Im gesamten Erdgeschoss und im 0bergeschoss befinden sich noch eine Reihe von historischen Ausstattungen. Besonders hervorzuheben ist die frühere überwölbte Verwahrkammer im westlichen Teil des Obergeschosses, die einen großen Seltenheitswert besitzt. Die Umfassungswände sind neben der massiven Ausführung in Bruchsteinmauerwerk zum Teil in Fachwerk mit Lehmstaken-Ausfachung ausgeführt.

Bedeutsam sind ebenfalls der genutzte Wassertrog am Pächterhaus, die frühere Brunnenanlage im Hof, die Einfriedung in Form einer Trockenmauer und der sich in südwestlicher Richtung hinter dem Herrenhaus anschließende Park.

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